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Friedrich der Große besucht Minden (1763)

Friedrich der Große besucht im Jahr 1763 Minden.

Grotemeyer hält auf diesem Gemälde den vorletzten Besuch Friedrichs des Großen in Minden fest. Der Besuch fand im Juni 1763, wenige Monate nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges, statt.

Nach sorgfältiger Inspektion der Mindener Festungsanlagen befahl der Preußenkönig, die Festung zu schleifen. Friedrich vertrat die Auffassung, dass eine Festung, die nicht zu halten war und dem Feind in die Hände fiel, mehr schadete als nutzte. Auf dem Gelände, auf dem sich die Wälle und Batterien erhoben hatten, entstanden nun Gärten. Die Garnison blieb Minden allerdings erhalten.

Die Ankunft des Königs auf dem Großen Domhof, wo er im Haus des Domdechanten Freiherrn von Vincke übernachtete, mutet unspektakulär, wenn nicht bescheiden an. Tatsächlich verzichtete Friedrich der Große bei seinen Reisen auf repräsentative Zeremonien und Empfänge, eine Haltung, die seinem Selbstverständnis als oberstem Beamten des preußischen Staates entsprach.

Die Popularität Friedrichs des Großen stellt Grotemeyer dar, indem er Bürger und Bürgerinnen aus allen Schichten und Altersgruppen den königlichen Reisewagen umringen lässt.

Dieses Gemälde muss als das Persönlichste von Grotemeyers Mindener Geschichtsbildern gelten. Es entstand ohne Auftrag der Stadt Minden und aus eigener Initiative des Malers heraus, der es der Stadt zum Geschenk machte. Grotemeyer hatte sich gewünscht, das sein Friedrich-Bild statt des Gemäldes zum Bürgerbataillon in den Zyklus aufgenommen würde. Als chronologisch letztes Gemälde hätte es so auch den Abschluss des Zyklus gebildet. Nicht die Schlacht bei Minden als heroisches Kriegsbild hätte dann den Schlusspunkt gesetzt, sondern ein „Nachkriegsbild", das mit seinen zerstörten Gebäuden und dem auf seinen Krücken heran humpelnden Invaliden die unheroischen Seiten des Krieges zeigt. Vor dem Hintergrund des Entstehungsjahres 1942 ist dies ein interessanter Aspekt.

Grotemeyer bezieht sich in diesem Gemälde deutlich auf sein großes Vorbild Adolph Menzel, der Friedrich den Großen als „Volkskönig" häufig in flüchtigen Momenten und nicht den historisch bedeutenden Situationen darstellte. Menzels Zeitgenossen kritisierten diese Auffassung: „Er malt nur das Persönliche, Individuelle, Zufällige ... ohne Spur von jener höheren Charakteristik, welche in der betreffenden Person den Vertreter einer historischen Idee ahnen lässt." *(Max Schasler, 1858)

In seinem Bildaufbau geht Grotemeyer in dieser Hinsicht noch über Menzel hinaus. Er versetzt seine Hauptperson vollends in den Bildhintergrund, und neben dem monumentalen Mindener Dom wirkt der Monarch unbedeutend klein. Nur der markante Dreispitz lässt überhaupt erahnen, dass es sich um Friedrich handelt. Den ranghöheren Bildvordergrund räumt der Maler einem Gardeoffizier und dem Invaliden ein.

Im persönlichsten seiner Gemälde stellt Grotemeyer dem Betrachter - wie sein Vorbild Menzel -   Friedrich als vorbildlichen Bürgerkönig vor Augen. Zugleich entzieht er ihn durch die Versetzung in den Hintergrund einer jubelnden Heldenverehrung. Auch dieser Aspekt erscheint, angesichts der zeitgleichen Vereinnahmung Friedrichs des Großen durch Adolf Hitler, bemerkenswert.

*Zitat: Max Schasler: Über Idealismus und Realismus in der Historienmalerei. In: Dioskuren No. 3 1858, S. 145. Aus: Menzel - der Beobachter. Ausstellungskatalog Hamburg 1982, S. 22)

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